Per Anhalter durch die Prignitz

»das weite feld: mobilität« Die Teilnehmenden am zweiten Veranstaltungstag, 10. September 2022 (Foto: © Torsten Kaiser)
»das weite feld: mobilität« Die Teilnehmenden am zweiten Veranstaltungstag, 10. September 2022 (Foto: © Torsten Kaiser)

Erste Veranstaltung von »das weite feld« erfolgreich durchgeführt – im Mittelpunkt der Erhalt des RB 73/74 und kooperative Lösungen in Logistik und Personenverkehr

 

Rund 40 Gäste und Mitwirkende diskutierten am 9. und 10. September 2022 auf der Premiere-Veranstaltung von »das weite feld« im Streckenthiner Gutshaus, wie die Mobilität im ländlichen Raum sich wandeln soll und wird. Die künstlerisch gestaltete Gedankenwerkstatt ermöglichte einen Dialog der verschiedenen Positionen, eine Auseinandersetzung auf Augenhöhe zwischen den Beteiligten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Kunst und Menschen aus der Nachbarschaft.

 

Die Vorträge zur allgemeinen Situation in ländlichen Räumen thematisierten unterschiedliche Herangehensweisen an die Problemstellung. Landesumweltminister Axel Vogel warb dafür, in Modellprojekten für den ländlichen Raum neue Wege in der Mobilität aufzuzeigen. Die Landesbeauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Janny Armbruster, thematisierte die zahlreichen Barrieren für eine beständig größer werdende Anzahl von Menschen und schlug vor, Lösungen immer von den schwächsten Gliedern der Gesellschaft her zu denken.

 

Zu Gast war auch Prof. Dr. Thomas Götze, Mobilitätsforscher von der TH Brandenburg. Seine These: Der Mobilitätswandel muss im Kopf beginnen, zukünftig werden wir weniger, im Sinne des Treibhausgasausstoßes und Energieaufwandes besser und vielleicht auch ganz anders als bisher unsere Wege bewältigen müssen.

 

Grundsätzlich wurde auch Bernd Knierim von der Allianz pro Schiene, der Verkehr als Abfallprodukt der Mobilität versteht und drei Prioritäten in Spiel brachte: Verkehrsvermeidung, Verlagerung und Verbesserung im Sinne von Mobilität als Möglichkeit, die Orte zu erreichen, die man erreichen will und muss.

Das Kuratorenteam von »das weite feld«, von von links nach rechts: Stefanie Stoltzenberg, Jean Boué und Stefan Fulz (Foto: © Birgit Tümmers)
Das Kuratorenteam von »das weite feld«, von von links nach rechts: Stefanie Stoltzenberg, Jean Boué und Stefan Fulz (Foto: © Birgit Tümmers)

Praktisch wurde es am zweiten Tag, nach einer Andacht zur Mobilität mit Peter Radziwill in der Streckenthiner Dorfkirche. Die Teilnehmenden widmeten sich verschiedenen Fallstudien aus dem Land.

 

Inspiriert wurden sie von Dr. Ralf Böhme, der mit seinem Unternehmen DESAG einige Bahnstrecken im ländlichen Raum wie die RB 73/74 betreibt, an denen die DB AG kein Interesse mehr zeigte. Er hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für den Bahnverkehr als Rückgrat des öffentlichen Verkehrs im ländlichen Raum mit Blick auf die Regionalentwicklung.

 

Tatsächlich ergibt sich hier großes Potential: Ein Ausbau des Karower Kreuzes könnte die Region zu einer Drehscheibe des Güter- und Personenverkehrs auf der Schiene zwischen Hamburg, Szczecin, Berlin, Schwerin und Rostock transformieren. Die Wirtschaft vor Ort würde nachhaltig gestärkt der Verkehr auf überlasteten Trassen entzerrt.

 

Anja Sylvester, Geschäftsführerin bei Landlogistik und ÖPNV- Beraterin bei InterLink, stellte innovative Logistik- und Personenbeförderungsstrategien für das Land vor, die unter anderem im Muldental und der Uckermark bereits praktisch erprobt wurden.

Insgesamt wurde von den Anwesenden geteilt, dass angesichts der nötigen Maßnahmen im Bereich Klimaschutz und Einsparung von Energie ein hoher Handlungsdruck herrscht. Aktuell bereitet das Kuratorium gemeinsam mit den Teilnehmenden ein »Streckenthiner Papier zur Mobilität« vor, das die Ergebnisse aufarbeitet und in den nächsten Wochen veröffentlicht werden soll.

 

»das weite feld« ist eine Kooperation von ESTAruppin e.V., Stefanie Stoltzenberg, Streckenthiner Kreise und dem Dokumentarfilmer Jean Boué. Es wird aktuell gefördert vom Fonds Soziokultur im Rahmen des Programms Neustart Kultur der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, aus Lotto-Mitteln des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz des Landes Brandenburg und der von der Sparkasse Prignitz.